„Anatta – Meditation“

 

„Da sitze ich nun also --- auf meinem Kissen, spüre das Kissen unter mir --- vor mir eine Buddha-Statue

Und wenn ich aus dem Fenster schaue, dann steht da ein Baum. Eine Buche glaub ich. Egal ---- ein Baum jedenfalls.“

Ich lächle … „Naja, ich sage das so ‚Ein Baum jedenfalls’…

Ein Zen Meister sagte einmal:

‚Für den normalen Menschen ist ein Baum ein Baum; für den allmählich Erkennenden ist der Baum kein Baum;

und für den Erwachten oder Erleuchteten ist der Baum wieder ein Baum.’

Hm … was meint er eigentlich damit? „Ein Baum ist ein Baum ist kein Baum ist ein Baum“ Ich muss wieder lächeln.

„Ist der Baum nun ein Baum oder nicht?“ Ich komme ins Grübeln.

 

„Ein Baum ist ein Baum. Ich kann daran nichts Außergewöhnliches entdecken. Warum sollte er KEIN Baum sein? Ich sehe einen Baum, nenne ihn Baum. Gibt es da einen Haken, der mich übersehen lässt, warum der Baum kein Baum sein sollte? Hm … sehen des Baumes, benennen des Baumes … wie läuft das eigentlich ab? Also:

 

Ich habe zwei funktionierende Augen, und diese treffen auf die Farbe und Form des Baumes. Mein Gehirn nimmt diese Information auf, verarbeitet sie. Hm … aber wie verarbeitet mein Gehirn diese Info? Mein Gehirn ist ein riesiger Datenspeicher, und darin gespeichert sind jede Menge Informationen über den Begriff „Baum“. Wenn meine Sinnesorgane einen Baum wahrnehmen, gleicht mein Gehirn die Infos mit vorhandenem Wissen ab und interpretiert dann das Wahrgenommene als Baum. Wahrscheinlich ist das viel komplexer, aber ich denke, das Prinzip stimmt. Und so nehme ich also den Baum als Baum wahr und nenne ihn ‚Baum’. Kognitive Wahrnehmung nennt man das, glaube ich.

Aber … bringt mich das weiter, wenn ich versuche zu verstehen, warum ein Baum KEIN Baum sein sollte? Da ist dieser Baum, mehr oder weniger feste Materie in Verbindung mit Farben. Der steht 20 Meter weit von mir entfernt, aber das, was ich grad kognitives Wahrnehmen genannt habe, passiert in meinem Kopf. Wenn der Begriff ‚Baum’ in meinem Kopf entsteht, dann liegen zwischen dem Begriff und dem Baum da draußen 20 Meter. Ich habe den Eindruck, als wäre ich auf dem richtigen Weg …

 

Aber noch einmal langsam: Die über ein Ding in meinem Gehirn gespeicherten Daten fügen sich zusammen zu einem Konzept. Ich identifiziere den Baum anhand eines rein intellektuellen Prozesses in meinem Kopf auf Grundlage eines Konzepts als Baum und gebe ihm den Namen Baum. Und besteht nicht das Konzept, das ich von einem Baum im Kopf habe, seinerseits auch nur aus Konzepten? Wenn ich sage: Das Ding hat Blätter, dann habe ich ein Konzept von Blatt im Kopf; sind sie grün, habe ich ein Konzept von „Grün“ im Kopf, und den Stamm kann ich ebenfalls nicht ohne das Konzept eines Baumstammes identifizieren. Was immer ich identifizieren will - ich brauche zunächst davon ein Konzept, eine Vorstellung! Eine „Vor-Stellung“- interessanter Begriff: Ich stelle das Konzept, das ich von einem Baum habe, vor den Satz ‚Das ist ein Baum’. Der Baum wird auf diese Weise erst zu einem Baum, wenn mir das Konzept „Baum“ bekannt ist – ohne Konzept wird kein Schuh draus --- ähm … kein Baum.

 

Interessant! Ich erinnere mich daran, dass Buddha sagte:

‚Dein Geist ist der Schöpfer dieser Welt’

Ich glaube, ich verstehe langsam, was er damit meinte. Und auch, wenn der spirituelle Lehrer Krishnamurti immer Wert darauf gelegt hat:

‚Der Name ist niemals identisch mit dem Benannten; doch wir haben uns daran gewöhnt,

die Dinge mit ihrem willkürlich gegebenen Namen zu identifizieren’.

 

Und … wenn ich den Baum so zu sagen einfach mal alleine lasse? Achso … ok … ich glaube, ich verstehe:

Dann ist der Baum ein Baum und GLEICHZEITIG ist er dann Kein Baum. Interessant …

 

Aber was ist dann der Baum in dem Moment, wo er KEIN Baum ist. Nur, weil ich mein Konzept vom Baum loslasse, ist er ja nicht plötzlich weg … Ich glaube, ich mache mir einfach mal den Spaß, und versuche, all meine Konzepte außen vor zu lassen, dann müsste sich mir doch erschließen, was dieser Baum ist.“

 

Nun sitze ich also immer noch da, betrachte den Baum und versuche krampfhaft, ihn nicht Baum zu nennen, ihn nicht einmal als Baum zu erkennen. Ganz schön schwierig ---- um nicht zu sagen: Klappt nicht! Das mit dem Namen bekomme ich grad noch hin ... obwohl… naja … Irgendein Begriff poppt immer wieder in meinem Kopf auf: „Gebilde“ … „Erscheinung“ … „Ding“; mir scheint, mein Geist ist krampfhaft darum bemüht, dieses ---- „Ding“ irgendwie intellektuell zugänglich zu machen, es zu bestimmen, zu begreifen … und das Verrückte ist, ich habe den Eindruck, ich kann nichts dagegen unternehmen. Ich scheine unmöglich aus dieser Nummer heraus zu kommen, dabei will ich doch die Welt mal mit anderen Augen sehen. Bin ich so sehr von meinem Verstand beherrscht? Ich bin schockiert und will das nicht auf sich beruhen lassen. Ich versuche krampfhaft, mich an etwas zu erinnern, von dem ich kein Konzept habe, weil ich noch nie darauf gestoßen bin; schnell wird mir klar, dass das ja völliger Unsinn ist.

 

Mir dämmert, dass ich in einer Welt gefangen bin, die nur in meinem Kopf existiert, über meine Sinnesorgane, meine Wahrnehmung, meine Definitionen, meine Erinnerungen, meine Interpretationen. OHA …!

 

Aber halt – es gab Meditationen, in denen war mein Geist, mein Verstand so ruhig geworden, dass ich zwar Geräusche wahrgenommen habe, aber mein Kopf sie nicht sofort mit einem Begriff in Verbindung gebracht hat. Es scheint also möglich, in einer Art „reiner Wahrnehmung“ zu verweilen, in der sich vielleicht die Wahre Natur der, wie Laotse sagt‚ ‚zehntausend Erscheinungen’ erschließt.

 

Erscheinungen …. hm, ja … es sind nur Erscheinungen: der Baum, der Strauch, die Katze – all das ist da, aber es ist eben nicht das, als was ich es erkenne.

 

Aber … Moment mal …“ Mir wird heiß und kalt. „Wie steht es denn dann mit mir selbst? Gilt das, was ich über den Baum gesagt habe, auch für mich?“ Ich zögere und bin im Zweifel, ob ich diesen Gedanken zu Ende denken soll.

Vielleicht aus Angst vor dem Ergebnis. Vielleicht, weil sich dabei etwas heraus stellen mag, was mir so gar nicht ins Konzept passt? ---- AHA, da haben wir es wieder, das Konzept. Ok, jetzt lasse mich erst recht einfach einmal darauf ein. „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage!“

 

Also, in Analogie zum Baum: Wie nehme ich mich wahr? Wenn es sich verhält, wie mit dem Baum, dann bin ich …

hm … dann habe ich auch über mich selbst eine Unzahl von gespeicherten Daten im Kopf. Bin ich nur die Summe aus all den gespeicherten Daten, die ich über mich habe? So, wie ich den Baum zunächst sinnlich wahrnehme, nehme ich mich selbst auch zunächst sinnlich wahr:

Da ist mein Körper, eigenständig und getrennt vom Rest der Welt. Aber das ist ja nicht alles: Ich habe laut Geburtsurkunde ein Geburtsdatum, einen Namen, habe Eltern; ich habe einen Personalsausweis mit meinem Bild, demnächst auch mit meinem Fingerabdruck darauf. Und dann ist da meine Geschichte, meine absolvierten Prüfungen, mein erstes Auto, meine erste Beziehung. Jedes Einzelne davon ist nur Konzept, durchläuft den Verstand, ist rational und intellektuell. Aber ich identifiziere mich damit, DAS BIN ICH.

 

Es scheint mir: Genauso, wie ich den Baum anhand seiner charakteristischen Merkmale und Eigenschaften als Baum identifiziere, ebenso identifiziere ich mich mit all den charakteristischen Merkmalen und Eigenschaften, die über mich in mir gespeichert sind. Aber all das existiert nur in meinem Kopf!

Wie kann aus einem Haus, für das lediglich das Baumaterial Stein verwendet wird, etwas anderes werden, als ein Haus aus Stein? Wie kann das Zusammenfügen endlos vieler Konzepte zu etwas anderem werden, als zu einem Konzept?

 

ICH BIN DER SCHÖPFER MEINER SELBST.

 

Mir wird langsam klar, was eigentlich mein EGO ist … Ich identifiziere mich also mit einem Konzept? Ist ja ein Ding! Hab ich dazu nicht neulich was Interessantes gelesen? Ach ja, von Raphael, einem Kommentator des großen Meisters Shankara aus der hinduistischen Advaita Vedanta Schule:

 

‚Wenn wir einen Klumpen Ton nehmen und daraus eine Vase formen und sich diese Vase eines Tages ihrer selbst bewusst wird, wird sie sagen: <Ich bin eine Vase>. Und wenn wir sie wieder in einem Klumpen Ton verwandeln und eine Statue daraus formen, so wird der Klumpen sagen <Ich bin eine Statue>. Ebenso würde derselbe Klumpen Ton, wenn wir ihn im Anschluss zu einer Pyramide modellieren, von sich behaupten, er sei eine Pyramide’.

 

Demnach bin ich nur mein eigenes Konzept … lediglich das Bild, das ich mir von mir selber mache … hm …

Aber wie steht es denn mit meinen Gedanken und Emotionen? Die sind doch da! Ein Konzept kann nicht denken, ein Konzept kann sich auch nicht freuen oder lieben oder hassen.

 

Hm … einen Moment – vielleicht ist das aber gar nicht die Frage.  Kann es nicht vielmehr sein, dass ich die Emotionen und Gedanken usw, die da sind, ebenfalls zu einem Konzept werden lasse, indem ich sage: Das ist meine Wut, meine Angst usw.? Wenn Wut da ist, wenn Trauer da ist, dann ist sie da – das ist die Wahrheit des jetzigen Momentes. Aber wenn ich meine Wut, meine Trauer DENKE, mache ich sie zu einem Teil meines EGO-Konzeptes, und dadurch werden sie selbst zu einem Konzept.

Wenn ich von „meinen“ Emotionen und Gedanken spreche, dann heißt das ja nur, dass ich diese Gedanken und Emotionen auf mich selbst beziehe, sie mir zu Eigen mache, untrennbar mit mir selbst verknüpfe. Ich identifiziere mich mit meinen Emotionen, ich DENKE meine Emotionen. Solange Wut einfach nur da ist, ist sie da, und dann geht sie auch wieder weg. Wenn ich sie DENKE, dann mache ich aus ihr ein Konzept, speichere sie ab unter dem Ordner „EGO“, und auf diese Weise ist sie immer abrufbereit. JA GENAU! Deshalb kann ich auch über Dinge wütend oder traurig sein, die gar nicht mehr existieren, die längst vorbei sind!  Ich nehme meine Wut persönlich, mache sie zu einem Teil von mir, und daher kann ich sie auch so schlecht loslassen, weil ich dann das Gefühl habe, ich lasse einen Teil von mir selber los. Das ist ja krass!

 

Mir scheint, die Frage lautet gar nicht „Sein oder nicht sein“,

die Frage lautet: „Sein oder haben?“

 

Dazu hab ich doch neulich auch etwas gelesen, vom Zen-Meister Thich Nath Hanh. Wie war das noch?

‚Eine Welle kann hoch sein, oder weniger hoch, groß oder klein, stark oder schwach und so weiter.

Wie auch immer ihre Gestaltung aber sein mag, sie ist, was sie ist: Wasser. In einer Art Selbstreflexion

würde diese Welle sich im Vergleich (!) mit anderen Wellen sehen als weniger schön, weniger groß.

„Die großen Wellen unterdrücken mich“.  Und so wird die Welle vielleicht unter Komplexen oder Depressionen leiden.  Wenn sie aber feststellt, dass sie ihrem Wesen nach Wasser ist, so lösen sich all diese Konzepte von hoch und niedrig, von schön oder weniger schön auf. Sie erkennt, was sie ist: Wasser.

Und damit schwinden ihre Depressionen’

 

Das bedeutet doch für mich: All die Konzepte und gedanklichen Vorstellungen, die ich von mir habe,

meine Charaktereigenschaften,

meine Fähigkeiten,

meine Haar- und Augenfarbe,

meine Körpergröße,

meine Gedanken, Gefühle, Emotionen

meine persönliche Geschichte

ALL DAS IST DA, ALLES DAS HABE ICH – ABER DAS BIN NICHT ICH.

 

Wenn ich all diese individuellen Eigenschaften meine ‚Persönlichkeit’ nenne, dann muss ich mit dem gleichen Recht jedem Baum ebenfalls eine Persönlichkeit zusprechen.

 

Aber genau wie bei dem Baum, stellt sich auch jetzt die Frage: Was bin ich denn wirklich, wenn nicht meine Ego-Persönlichkeit? Was bliebe von mir übrig, wenn ich alle Konzepte, die ich von mir habe, einfach streichen könnte?

Was passiert, wenn ich mich selbst einmal alleine lasse? Was bleibt übrig, wenn ich in einem Satz, mit dem ich mich beschreibe, alle Substantive, Adjektive, kurz: alle Qualifikationen weg lasse?

 

Angenommen jemand sagt: Ich bin 1,80 m groß, ich bin Angestellter, ich bin Fußballfan, ich bin unverheiratet, ich bin treu, ich bin Nichtraucher, ich bin religiös, ich bin unpolitisch, ich bin Autofahrer, ich bin herzlich, nett, interessiert, ich bin dies, ich bin das und ich bin so und so. All das schmeiße ich einmal raus. Was bleibt übrig?

ICH BIN!

Ich erinnere das alte Testament, Exodus, 3 Kapitel 14, wo Gott sich dem Mose vorstellt als „Ich bin der ‚Ich bin’!“

„Ich bin“ … reines SEIN also. SEIN, das durch nichts qualifiziert wird, weder als gut noch als schlecht, weder als hoch noch als niedrig oder als sonst etwas ---- nur einfach SEIN. Ist das der Schlüssel?

 

Wenn ich meinem Wahren Wesen nach einfach nur BIN, und wenn der Baum seinem Wahren Wesen nach auch einfach nur IST, worin unterscheide ich mich dann dem Wesen nach von dem Baum vor meinem Fenster?

Mir scheint, wenn man die Dinge aus dieser Perspektive betrachtet, löst sich jede Dualität einfach auf – da ist keine Trennung mehr; alles ist einfach nur so da, jenseits von ‚gut’ und ‚böse’.

 

Es gibt also einfach nur zwei Perspektiven, aus der man dieselbe Sache betrachten kann; einmal die der Welt der Konzepte, der Formen und Gestaltungen. Und dann die des Reinen Seins, der Ganzheit.

Vielleicht meinte Jesus das, als er für seine Jünger betete, und dabei sagte:

‚Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt (Joh. 17, 11)

Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.(Joh. 17, 16)’

 

In dieser Welt, aber nicht von dieser Welt – zwei Perspektiven.

 

Demnach gehört beides zusammen, es sind nur zwei Seiten derselben Münze: Der Baum ist ein Baum UND er ist kein Baum, je nachdem, wie man ihn betrachtet.

 

Aus der Warte von „Nicht von dieser Welt“ ist Alles EINS –

‚Alles ist der Eine Geist, neben dem nichts existiert’,

 

sagt Zen-Meister Huang-Po. Man könnte den Einen Geist wohl auch Gott nennen, oder Allah, oder Brahman … es sind nur Worte – gemeint ist im Grunde dasselbe.

 

Das bedeutet aber auch:

Von jener höheren Warte aus betrachtet ist alles in sich stimmig, denn alles geschieht einfach nur, ist reiner Vorgang, reine Metamorphose, das eine als notwendige Folge des Vorherigen. Hm … ist der Begriff für ‚stimmig’ in der Musik nicht ‚harmonisch’? Demnach ist alles harmonisch, nur fühlt es sich oft für uns nicht so an, weil wir es persönlich nehmen.

Und: Haben wir nicht die Vorstellung von reiner Liebe als vollendete Harmonie? Könnte man nicht sagen: Harmonie ist Liebe, Liebe ist Friede, Friede ist Harmonie?

 

Wir scheinen die Wahl zu haben, welche Perspektive wir einnehmen, nur müssen wir dafür auch beide Perspektiven kennen. Daher also lehrte Buddha den Pfad der Befreiung von Leid, und nannte das erste der acht Glieder dieses Achtfachen Pfadesharmonische Sichtweise“. Der Ursprung von Leid, sagt er, ist die Unkenntnis dieser Perspektive, der Unpersönlichkeit aller Vorgänge im Innen und Außen  – vielleicht ist das der Grund, warum viele Menschen so sehr leiden. Man leidet, weil man schmerzhafte Dinge persönlich nimmt, sie auf sich bezieht, aus ihnen eine persönliche Geschichte werden lässt, sie zu einem Teil von sich werden lässt. Aber eigentlich ist niemand zuhause, da ist nur ein Konzept. Wenn ich dieses Konzept loslasse, dann schwindet auch mein Leid, meine Zerrissenheit, meine Gier, mein Neid, mein Hass. Hm … Niemand zuhause.

 

Kann ich in diesem Wissen nicht getrost alles SEIN lassen, so wie es sich jetzt und hier gestaltet, ohne Widerstand dagegen zu leisten? Einfach die Dinge, in Würdigung ihrer Harmonie, in voller Liebe annehmen?

Auch den Schmerz, den Kummer in mir? Alles einfach da sein lassen, sogar alle meine Konzepte, weil ich sie verstanden habe – mein Ego, weil ich es verstanden habe. Loslassen heißt ja nicht abtöten! Ich denke, wer diese Perspektive kennen gelernt hat, der  zieht auch sein Selbstwertgefühl nicht mehr aus seinen Ego-Konzepten, er ist innerlich frei und unhängig von den Konzepten und Bewertungen durch andere Menschen, die Gesellschaft. Er sieht: ‚Mein Selbstwert kommt aus mir selbst heraus, aus der allumfassenden kosmischen Harmonie und Liebe. Ich liebe mich, wie ich bin, als EINE der vielen Manifestationen des Einen Geistes in dieser Welt’.

 

Und wenn man beide Perspektiven als Einheit sieht … dann … ja dann … dann kann der Baum wieder getrost ein Baum sein.

Ein Baum ist ein Baum ist kein Baum ist ein Baum“

 

Dann kann ich ja jetzt eigentlich all meinen Kummer, meine Sorge, Ängste und Zweifel einfach loslassen, oder? BIN ICH NUN ERLEUCHTET? Die Sache hat wohl einen Haken: All diese Gedanken, die ich mir nun gemacht hab, so erhaben und voller Erkenntnis sie gewesen sein mögen … sie sind doch auch nur Konzepte! Wie gehe ich damit um? Hm .. ich glaube, eine Geschichte aus dem Zen gibt mir die Antwort:

‚Ein junger Mönch kam aufgeregt zu seinem Meister gerannt: <Meister, Meister, ich hab’s geschafft, ich hab alles losgelassen>. <Aha>, zeigte sich der Meister wenig beeindruckt. <Habt Ihr nicht gehört, Meister, ich habe alles losgelassen>. <Gut, gut>, sagt der Meister, <dann lass es jetzt los>. <Habt Ihr nicht verstanden>, sagt der Mönch, <ich HABE alles losgelassen!> <Nun>, sagte der Meister im Weggehen, <dann trag es halt weiter mit Dir herum.>’