Freie Buddhistische Trauungszeremonie

Als bekennender Buddhist sehe ich jede Form von Diskriminierung als Affront gegen die humanistische Ethik. Aus diesem Grunde ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, Trauungszeremonien sowohl für hetero- als auch homosexuelle Paare durchzuführen.

Immer mehr Paare nehmen heute trotz ihrer (meist christlichen) Konfession Abstand von einer kirchlichen Trauung; die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich, jedoch möchten die meisten von ihnen nicht gänzlich auf eine schöne und feierliche Hochzeits-Zeremonie verzichten. Meist wird hierfür dann im privaten Rahmen (im Sommer gern unter freiem Himmel, sonst im Saal des Restaurants, wo das Hochzeitsmahl mit den Gästen eingenommen wird) eine Feier 'in Eigenregie' organisiert, im Verlaufe derer dann das Hochzeitspaar noch einmal in einem feierlichen Rahmen ihr Ja-Wort "vor einer spirituellen Instanz" bekräftigt. Hierfür werden dann in der Regel so genannte 'freie Theologen' hinzugezogen, welche die Zeremonie leiten.

Nachdem ich vor einiger Zeit einmal gebeten worden war, eine solche Zeremonie 'mit buddhistischen Vorzeichen' durchzuführen, biete ich dies nun regelmäßig auf Anfrage an. In der buddhistischen Tradition des Theravada existiert eine religiöse Hochzeit im engeren Wortsinn eigentlich nicht; am Vorabend der Feierlichkeit werden Mönche gebeten, zu kommen und das Hochzeitspaar zu segnen. An der eigentlichen Feier am darauf folgenden Tag nehmen sie dann nicht Teil.

Wenn ich gebeten werde, eine buddhistische Trauungs-Zeremonie abzuhalten, gehe ich als Anagarika (was man etwa als "Laienmönch" übersetzen kann) hingegen in der Regel so vor, dass ich mich zunächst einmal einige Zeit vor der Trauung mit dem Brautpaar treffe, um sich Gelegenheit zu bieten, sich ein wenig zu 'beschnuppern' - kaum etwas ist wichtiger für einen solchen Festakt, als dass man sich sympathisch ist und vertraut. Bei diesem ersten Treffen mache ich zunächst Vorschläge, wie der Ablauf der Zeremonie in etwa aussehen könnte; die letztendliche Entscheidung hierüber fällt aber selbstredend das Brautpaar. Aussehen könnte das in etwa wie folgt:

* Ich stimme mit etwas Musik auf der Bambusflöte auf die Zeremonie ein

* Es folgt eine kurze Begrüßung des Hochzeitspaares und der Gäste

* Daraufhin halte ich eine kleine Ansprache, in der ich - vor allem für die Gäste (die ja meist nur über geringe Kenntnisse der buddhistischen Geisteshaltung verfügen) die wesentlichen Grundzüge des Buddhismus darstelle, wobei ich in erster Linie auf die brahamaviharas - also die vier erhabenen Verweilzustände (Liebende Güte [metta], Mitgefühl [mudita], Mitfreude [karuna] und Gleichmut [upekkha] - eingehe und ihre besondere Bedeutung in der ehelichen Gemeinschaft unterstreiche

*In der Ansprache leite ich über zu einer kurzen, von mir angeleiteten Meditation der Liebenden-Güte (metta-Meditation), in der die Gäste dazu eingeladen sind, dem Brautpaar segensreiche und liebende Wünsche 'von Herz zu Herz' zu senden

* Es wird dann das Brautpaar gebeten, zum aufgestellten Buddha-Altar zu schreiten um dort öffentlich zu geloben, bestimmte Vorsätze (nicht Versprechen!) sich selbst, dem Partner, den Mitmenschen und allen Mitwesen gegenüber einzuhalten. Da ein Brautpaar, das eine solche Zeremonie wünscht, sich in der Regel zum Buddhismus bekennen wird, wird zuvor die Verehrungsformel und die dreifache Zufluchtnahme gesprochen

* Danach geht das Brautpaar wieder an seinen Platz zurück, und ich stelle eine kleine Schale dem Paar zu Füßen auf; die Gäste sind dazu eingeladen, nach vorne zu kommen und dem Paar auf kleine Kärtchen geschriebene Herzenwünsche 'zu Füßen (sprich in die Schale) zu legen; dies wird von mir wieder musikalisch untermalt.

* Da ich für diese Zeremonie kein Geld verlange*, gehe ich, wenn alle Gäste wieder an ihrem Tisch sitzen, mit meinem Bath (der Almosenschale) von Tisch zu Tisch, um den Gästen die Möglichkeit zu geben, in einem Umschlag (!) eine Spende in die Schale zu legen; daraufhin segne ich die Personen am jeweiligen Tisch mit jenem 'Gebet', das beim Almosengang von den Mönchen rezitiert wird, wenn sie von Haus zu Haus gehen

Anlässlich der Zeremonie lege ich - obwohl ich meine Mönchsrobe offiziell abgelegt habe - aus Respekt vor der der buddhistischen Tradition meine Robe vorübergehend wieder an; sollte dem Paar dies allerdings zu befremdlich aussehen (auch mit Rücksicht auf die Gäste), beschränke ich mich auch gern darauf, die Zeremonie lediglich in weiß gekleidet und mit einem 'Sanghati' (einem langen, gefalteten Stück Stoff, welches über die linke Schulter gelegt wird) durchzuführen. Utensilien wie Klangschale und Buddhastatue bringe ich selbstverständlich mit.

Ich freue mich darauf, vielleicht auch mit Ihnen und für Sie bald eine feierliche Zeremonie durchführen zu dürfen. Bis dahin wünsche ich Ihnen von Herzen

MAHA-METTA

Ihr

                                                                

Michael Atishakaro Rafalski

PS: Einen Bericht über eine "ökumenische" buddhistisch-christliche Hochzeits-Zeremonie lesen Sie hier:

christlich-buddhistische Hochzeit:

 

* Fahrtkosten und notwendige Auslagen sind natürlich zu erstatten