Nur wer das Grundsätzliche erlangt hat,
vermag im Inneren leer und mit dem Außen in
Übereinstimmung zu sein
(Yüan-wu)

 

Über Meditation:

 

Meditation bedeutet nicht, auf seinem Meditationskissen zu sitzen und seine Gedanken abzutöten!

Meditation bedeutet Achtsamkeit. Meditation bedeutet, in jedem Zeitpunkt des Tages, immer im Hier und Jetzt die Dinge zu schauen, die sich sowohl um Dich herum als auch in Dir abspielen. Weder abgelenkt durch einen Geist, der sich mit dem beschäftigen will, was grade war, noch mit einem, der vorweg nehmen will, was gleich sein wird. Meditation bedeutet, aufmerksam all dessen gewahr zu sein, was Du wahrnimmst – ohne darüber zu urteilen, ohne zu interpretieren: „Ich stelle fest: ‚Regen ist da’; oder ‚Ein freudiges Gefühl ist da’; oder ‚Ärger oder Wut ist da’“.

 

Und Meditation ist reine Wahrnehmung. Widerstandsloses Im – Einklang – Sein. Die Dinge So - Sein lassen. In jedem Zeitpunkt des Tages. Sehen ohne zu sehen, hören ohne zu hören, mit den Sinnen wahrnehmen ohne mit den Sinnen wahrzunehmen. Meditation bedeutet, alles immer wieder neu zu sehen, sich an nichts zu gewöhnen. Gewohnheit ist Abstumpfung.

Meditation heißt auch: Wissensklarheit in allen Dingen, die Du wahrnimmst; in jedem Zeitpunkt des Tages. Für die Abläufe, die in Dir stattfinden, bedeutet das zu wissen: „Die Wut ist nicht Ich“; „Das freudige Gefühl ist nicht Ich“; „Es handelt sich um Funktionen eines Körpers, der sich gemäß der kosmischen Ordnung grobstofflich genau so gestaltet, wie er sich nun einmal gestaltet. Nur eine Persönlichkeit ist hier nicht aufzufinden“. Und im ‚Außen’? Wissen: Alles ist Eins; alles ist der Eine Geist. Was im Anderen ist, ist auch in mir, und was in mir ist, ist im Anderen.

 

„Berührt der Mensch die allerletzte Wahrheit, so erkennt er,
dass es nichts gibt, das nicht in ihm selbst ist.“
(Sufi-Meister Hazrat Inayat Khan)
 
Denn der Mikrokosmos entspricht dem Makrokosmos. Der Hass auf meinen Nächsten ist der Hass auf mich selbst. Was ich dem Geringsten unter Euch antue, tue ich mir selber an … Meditation heißt, sich selbst erkennen, in sich und in den Anderen – in allen Dingen. Meditation bedeutet: Handeln im Nicht - Handeln (chinesisch: wu-wei). Das bedeutet: In jeder Situation des Alltags geistesklar und spontan zu handeln. In ihrem unmittelbaren Bezug zum Jetzt-Hier ist Meditation das diametrale Gegenstück zum zielgerichteten Handeln. Deine Aufgabe liegt allein im Handeln, nicht in dessen Früchten. Lasse nicht die Früchte deines Tuns dein Beweggrund sein; ergib dich nicht der Untätigkeit! (Gita, 02.47) Das heißt nicht, wir sollen planlos leben. Wir können denken, und daher sollen wir denken – so ist es vorgesehen. Aber eben nur, wenn es gefordert ist. Somit ist Meditation auch das diametrale Gegenstück zum Automatismus, der uns handeln lässt, ohne es zu merken; Handeln im Nichthandeln bedeutet hingegen, sich im Klaren zu sein: Ein ruhiger, unverblendeter Geist handelt immer im Einklang mit sich selbst und somit im Einklang mit dem Kosmos. Ruht der Geist, so entstehen keine Wünsche und Sehnsüchte; Wünsche und Sehnsüchte werden nie nachhaltig befriedigt; ist der eine Wunsch befriedigt – sofern überhaupt möglich –, folgt der nächste. Ohne Wünsche und Sehnsüchte aber entsteht keine Spannung im Kopf – diese notwendig entstehende Spannung zwischen dem Ist- und dem Sollzustand, die Leid bedeutet, und aus welchem wiederum Gewalt entsteht. Und ausgeübte Gewalt kommt immer zum Ausübenden zurück. Ruht der Geist, so ist Friede im Innen wie im Außen. Auch meint wu-wei: Fließen mit dem Fluss, fliegen mit dem Wind. Ein hochgradig intuitives Handeln. Und so bedeutet Meditation auch: Reine Freude, Glückseligkeit erfühlbar, erfahrbar zu machen. Sie ist die unmittelbare Umsetzung, die unmittelbare Erfahrung des Allerhöchsten: von „Sat – Chit – Ananda“, von Reinem Bewusstsein, Reinem Sein, Reiner Glückseligkeit.

Und schließlich ist Meditation die unmittelbare Umsetzung von … Freiheit. Was ich hierunter verstehe hat nichts zu tun mit einer äußerlichen Freiheit, einer Freiheit, die uns erlaubt, innerhalb gewisser Grenzen zu tun und zu lassen, was wir wollen. Und ich rede auch nicht von der Freiheit der Meinungsäußerung und all dem Übrigen, was man mit diesem Begriff in Verbindung bringt.

„Die Gedanken sind frei“ heißt es in einem alten Volkslied. Sind die Gedanken frei? Nun, selbst in einem totalitären Staat können wir immerhin noch denken, was immer wir wollen. Aber willst Du Deine Gedanken auch denken? Du stehst unter der Dusche, und plötzlich fällt Dir ein, wie viel Elend es auf der Welt gibt – Hungersnöte, Gewalt, Tzunamis. Solche Gedanken, die uns traurig machen, werden wir kaum absichtlich herbeiführen – im Gegenteil. Meditation bedeutet, die Unpersönlichkeit der Gedanken zu erkennen, zu sehen, wie sie entstehen, zu begreifen, wie wir funktionieren. Dann beherrschen die Gedanken nicht mehr uns, sondern wir beherrschen unsere Gedanken. Das ist Freiheit.

 

Nice to know: “Neuro Experiment ~ Mönche in der Magnetröhre“