Die Inhalte der Meditationen

Grundlegendes zur vipâssana-Meditation:

 Gemeinhin wird in der buddhistischen Tradition zwischen vipâssana und metta-Meditation unterschieden. Metta-Meditation, die in meinen Kursen ja ebenfalls praktiziert wird, ist die so genannte Herz- oder Liebende-Güte-Meditation. Allerdings unterscheide ich anders als die Tradition nicht zwischen vipâssana und metta, sondern nach vipâssana-anapanasati (anapanasati = Atemachtsamkeit) und vipâssana-metta-bhavana. Warum?

 „Vipâssana“ bedeutet soviel wie „Einsicht“ oder „Erkenntnis“. Nun hat jede Meditation ein Meditationsobjekt. Klassischer Weise sagt man, das ist bei der vipâssana-Meditation der Atem. Es muss aber nicht der Atem sein; Buddha hat über hundert Meditationsobjekte gelehrt. Entscheidend ist lediglich die Erlangung von Erkenntnis.

 Und wie erlangt man Erkenntnis?

Wie im täglichen Leben durch Forschen und Beobachten.

 Und wie forscht und beobachtet man?

Nun, meist wird gelehrt, man solle sich in der Meditation auf den Atem konzentrieren und möglichst jeden Gedanken unterdrücken, der aufsteigt und der uns von der Betrachtung unseres Atems abbringt. Allerdings besteht die Einsicht in der Einsichtsmeditation darin zu betrachten und zu verstehen, wie unser Geist funktioniert ; unsere Wahrnehmung, unser Denken, unsere Interpretation, unsere Wünsche und Begierden – all das läuft nach ganz bestimmten Mustern und Prozessen ab, und diese gilt es in der Meditation zu erforschen.

 

Meditation ist  die Erforschung unserer kognitiven Wahrnehmung

mit dem Ziel, uns selbst zu erkennen und zu verstehen.

 

Ich kann aber meine Gedanken nur erforschen, wenn sie da sind! Also wird in der vipâssana-Meditation nichts unterdrückt, sondern alles einfach betrachtet – mit „freudvollem Interesse“, wie Buddha sagt.

 Das bedeutet für die Praxis der Sitzmeditation: Das Meditationsobjekt dient lediglich als Heimathafen, um sich nach einer Ablenkung (wenn wir also von einem Gedanken weit weg getragen worden sind), wieder zu sammeln. Wir bleiben aber nicht auf diesem stehen, sondern nehmen das Meditationsobjekt als bestehend zur Kenntnis, lassen aber unseren Geist frei schweben und beobachten, wie er sich ganz von allein von hier nach dort, und von dort nach da bewegt. Wir lassen ihn frei schweben durch die Peripherie, in der uns – nach Möglichkeit – nichts entgeht. Der Begriff Meditationsobjekt ist insofern auch etwas irreführend, denn es ist nicht das eigentliche „Objekt der Betrachtung“. Es wird nicht „auf den Atem meditiert“, sondern auf die „zehntausend Erscheingung“ (Laotse) und unsere Reaktion auf sie.

 Wenn man auf diese Weise meditiert, dann verliert die Frage, welches Meditationsobjekt wir nehmen, an Bedeutung. Im vipâssana-anapanasati ist es durchaus der Atem, in der vipâssana-metta-bhavana ist es das Gefühl von Freude und Herzenswärme, eben Liebende-Güte, welches aus uns heraus strahlt. So erklärt sich, dass ich die ursprüngliche Unterscheidung im Einklang mit der Lehre des Buddha aufhebe.

 Und worin besteht die Erkenntnis?

Hierüber zu schreiben würde jeden Rahmen sprengen – und wäre zugleich nie erschöpfend! Etwas vereinfacht aber kann man sagen: Buddha erkannte, dass unser Leid darin besteht, dass wir das, was uns geschieht, persönlich nehmen. Das bedeutet, wir stellen einen irgendwie gearteten Bezug zwischen einem Ereignis und uns her. In der Meditation aber sehen wir die Erscheinungen in uns und außerhalb von uns als eine reine Kette von Entstehungsprozessen, die gänzlich unpersönlich sind. Eine Wahrnehmung entsteht zB aus Farbe und Form, das auf das Auge trifft – nur Vorgang. Aus einer Wahrnehmung wird (im Falle einer schönen Blume) ein behagliches oder (im Fall einer Müllkippe) ein unbehagliches Gefühl – ganz unpersönlich, nur Vorgang. Aber plötzlich sagen wir: „Ich finde das ekelhaft“ … wo kommt dieses Ich plötzlich her? Diese so genannte „Kette des Bedingten Entstehens“ setzt sich natürlich fort, aber dies soll reichen um einen Eindruck zu vermitteln, was in der Meditation erkannt werden mag.

 Dies muss aber jeder selbst durch eigenes Erleben in der Meditation erfahren haben, sonst bleibt es blanke Theorie wie Philosophie oder einfaches Glauben wie Religion; beides führt nicht zu Erkenntnis und zu Befreiung von Leid. Und so sagte der Buddha

 

EHIPASIKO – komm und sieh’ selbst

 

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Lächelnd